MIA'S KOLUMNEN

Smirten unterm Wärmepilz

Kolumne 9 / Neue Luzerner Zeitung, 21.01.2008

Okay, so ein  lässiger: Die- Welt-ist-ein-hartes-Pflaster-aber-ich-komm–zurecht-und-sehe-dabei-auch-noch-verdammt-cool- aus-Blick, hat irgendwie an Wirkung verloren. La Femme Fatal war auch schon fataler und Humphrey Bogart ohne Zigarette im Mundwinkel ist schlichtweg undenkbar.
Trotzdem  blicken wir mit unvernebelten Kontaktlinsen in eine bessere Zukunft. Im Cafe bei mir um die Ecke, riecht man jetzt zwar Fritöse und Chanel No.5, aber das ist ein willkommener Kommpromis. Aschenbecher werden durch Babyrasseln ersetzt und plötzlich sieht man Mütter, die sich neben Beruf und Sprössling, offensichtlich eine Cafepause leisten können. Das macht Hoffnung. Plötzlich fallen auch die subtil, unterdrückten  Schuldgefühle gegenüber unseren Nachkommen ab. Wir beweisen Weitblick und  übernehmen Verantwortung. Kurz: Wir sind erwachsen und benehmen uns auch so. Außer vielleicht ich, die auf dem Stuhl herumwackelt und breit grinsend die Menschen um sich herum  beobachtet. Wer hätte gedacht, dass ein  gutes, offenes Gespräche, auch ohne Glimmstängel möglich ist? Oder gerade deshalb? Konnte man sich doch sonst so gut hinter der Zigarette verstecken. Jetzt bröckelt die vergilbte Fassade. Selbstzerstörung ist out. Besonders, wenn sie nicht beim „Selbst“ bleibt. Man muss der Realität ja nur in’s gereizte Auge sehen. Der coole Cowboy von damals, liegt im Krankenhaus und statt Cowboyhut, hat er gar nichts mehr auf dem Kopf. Einer reiche dem armen Kerl mal ein abenteuerliches Bier. Auch dem Dichter und Denker, bleibt zum  romantischen Genussleiden nur noch der Rotwein. Außer er befindet sich gerade im Gefängnis. Das ist nämlich der einzige öffentlich Raum, wo man hier in Bayern noch qualmen kann. Wo sich viele Kantone in der Schweiz noch unentschlossen zeigen, ist man hier Kompromisslos.
Abgetrennte Nichtraucherräume wären kleineren Gaststätten gegenüber unfair, da diese nur über einen Raum verfügen. Die Voraussetzungen sind für jeden gleich und das scheint zu funktionieren. Die Kneipen sind voller denn je, juhee. Selbst im ländlichen Irish Pup, wo man Einbussen erwarten könnte. Fehlanzeige. Zum Rauchen begibt sich selbst der härteste Rocker brav nach draußen. Wärmepilze und gemütliche Sessel, besänftigen das aufgewühlte Raucherherz. Und es stellen sich sogar ein paar unerwartet positive Nebeneffekte ein:
„Smirting“, nennen die Iren die Kombination aus Rauchen und Flirten. Gemeinschaftliches Arschabfrieren vor der Kneipe, schafft also neue Kontakte. Aber nicht nur das. Durch das wiederkehrende nach draußen gehen, bewegt sich der Raucher vermehrt, was sich positiv auf seine Gesundheit auswirkt. (Besonders effektiv bei Kettenrauchern). Zudem baut die ständige  Bewegungsaktion, die Langeweile ab, weshalb der Gast  auch länger im Pup bleibt, was wiederum das aufgewühlte Wirten-Herz glücklich macht. (Funktioniert natürlich nur solange bis der Trend gegen erhöhte Leberwerte geht). Zudem stärkt der gesundheitsbewusste Raucher, durch die regelmäßige Frischluftzufuhr sein Immunsystem. Fazit: Rauchen ist gesünder denn je. Für Raucher und Nichtraucher. Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


Zurück