Geschenke her, egal von wem!
Kolumne 8 / Neue Luzerner Zeitung, 10.12.2007Bald ist es soweit und mit dem Fest kommt wieder mal die quälende Frage: Wer, wie, wann? Nach dem Warum fragen wir nicht. Wir wollen schließlich keine schlafenden Rentiere wecken. Geschenke müssen sein. Sagt auch die Wirtschaft. Aber wer bringt sie den nun? Der Weihnachtsmann oder das Christkind? Man muss zugeben, dass der Weihnachtsmann in seiner Popularität schon sehr weit vorne liegt. Kein Wunder, er ist ja auch die Kommerznudel unter den Heiligen. Sein Outfit ist einzigartig, sein Bart unverwechselbar und er ist der einzige, der einen dicken Bauch vermarkten kann. Spätestens seit seinem Nebenjob als Werbemaskottchen für das erfolgreichste Softgetränk überhaupt, hat er uns wohl alle im Sack.
Da hat es das Christkind um einiges schwerer sein Image ab zu stauben. Es lässt sich nur schwer in Schokolade gießen, weil keiner so recht weiß, wie es aussieht. Manche stellen es sich als Engel vor, als kleines Jesukind oder als geheimnisvolles Zauberwesen. Herr Luther hätte da ruhig ein bisschen spezifischer sein können. Auch wie so ein feines Wesen die Massen an Geschenken zu transportieren vermag, war mir schon immer ein Rätsel. Wobei das Ungreifbare ja auch eine gewisse Mystik mit sich bringt. Deshalb ernenne ich hiermit das Christkind for Gabenpresident. Frei nach dem Motte: Wer zuerst kommt, schenkt zuerst. Der Weihnachtsmann, nach amerikanischem Vorbild, à la rot-weiß, kam nämlich erst viel später in’s Spiel. Er ist quasi nur ein Abklatsch des ursprünglichen St. Nikolaus, der um 300 n.Chr. lebte. Es existierten damals sogar gleich zwei Geistliche mit dem Namen Nikolaus. Der eine lebte in Myra, der andere in Sion. Und da das Ganze schon einige Jährchen her ist, lässt sich schlecht beweisen, welcher der beiden historischen Persönlichkeiten nun unser „Samichlaus“ war. Deshalb wird kurzerhand der Nikolaustag samt Heiligenschein aus dem Kirchenkalender gestrichen. Eigentor, würde das Herr Luther nennen, während er genüsslich einen Schluck aus der Pepsidose trinkt. Aber uns stört das herzlich wenig. Wenn’s um’s Feiern geht, sind wir tolerant. Deshalb gibt es in unserer Region am 6. Dez. den Nikolausumzug und am 24. Dez. bringt das Christkind nach dem Essen unbemerkt die Geschenke, während wir einen Verdauungspaziergang machen.
Obwohl unsere schöne Freiburger Kathedrale nach dem heiligen Nikolaus benannt ist, sind es nämlich nicht die Heiligen, sondern mehr die festlichen Fressorgien die mir heilig sind. Oder das gemütliche beisammen sein um den geschmückten Tannenbaum herum. Auch ein weltweit verbreiteter Brauch. O.k, die christlichen Inder schmücken Mangobäume aber dafür hingen früher bei uns die Christbäume von der Decke. Was ich mir schwierig vorstelle mit den Kerzen drauf. Aber damals waren die Kerzen ja auch alle auf dem Adventskranz, zumindest 24 Stück davon.
Egal, Baum ist Baum. Und wo ein Baum steht, ist auch die Sünde nicht weit. Besonders wenn sie in farbig glänzender Alufolie verpackt ist und nach Schweizer - Schoggi riecht.











