MIA'S KOLUMNEN

Der Frühling - Der Fiesling

Kolumne 3 / Neue Luzerner Zeitung, 30.04.2007

Meine Freundinnen waren schwer begeistert, von meiner neusten Beschäftigung als Kolumnistin. Unisono schallte mir ein Bewunderungsausruf entgegen:“ Wow! Wie Carrie von Sex And The City!“ So hatte ich das noch nie gesehen. Mit diesem neuen Bewusstsein zog ich los und kaufte mir erst mal ein paar neue Schuhe. Eine Frau braucht schließlich Inspiration, um eine Kolumne schreiben zu können… und einen Manhattan. Lange hat die Carrie-Phase allerdings nicht angehalten. Zum einen, weil ich trotz versuchter Abbrühmaßnahmen durch angestrebte Sauforgien, Alkohol einfach nicht vertrage. Ich bin nach einem Glas „Egal-Was“, schon so was von hacke, dass ich vergesse weiter zu trinken. Hauptsächlich weil ich damit beschäftigt bin zu kichern und jeden anzulabern und zu umarmen, der mir über den Weg läuft.
Zum andern, weil hochhackige Riemchenschuhe Gift sind für den unteren Rücken und die Riemchen garantiert nach 10 min, obwohl im Schuhladen noch alles supi bequem war, meine armen Fesseln wundscheuern. Für mich ist das definitiv zu viel Sex in der City. Da bleib ich lieber mit beiden Fersen auf dem Boden und orientiere mich weiterhin nach den „Gilmore Girls“. Trotzdem hätte ich genug Stoff, um über Liebe und Sex zu schreiben. Die Beziehungs- Anekdoten meiner Freundinnen sind geradezu spektakulär. Ganz im Gegensatz zu meinen eigenen. Ich bin der hoffnungsvolle, exotische Fall, der Latte Macchiato schlürfend in der Ecke sitzt, eine funktionale Beziehung führt und sich diesen glücklichen Umstand selbst nicht erklären kann. Ich schaue in die Runde und sehe ausschließlich extrem attraktive, erfolgreiche, selbständige, junge Frauen. Alle samt wünschen sich nichts sehnlicher als einen Partner und bald auch Kinder. Die biologische Uhr interessiert sich nicht die Bohne, für die schwer erlangte Emanzipation. Besonders, wenn sie auf Sommerzeit gestellt ist. So finde ich mich jedes Mal in der Position wieder, die Männer zu verteidigen. Meistens mit dem Satz: „Es sind nicht alle gleich!“ Doch gehen mir bald die Argumente aus, angesichts der Masse an unfassbaren Männergeschichten, die mir da entgegen sprudeln, bis ich gar keine Antwort mehr weiß und mir ein Manhattan bestelle. Und wer macht alles noch schlimmer? Der Frühling, der Fiesling. Da müssen unfreiwillige Single Frauen, in ihrer wohlverdienten, arbeitsfreien Zeit, penetrant, küssende Pärchen ertragen und zusehen, wie höhnische Vögel ihre Nester bauen. Fiese Aussichten. Da kann ich ja geradezu glücklich sein und zufrieden darüber einen festen Freund zu haben, zwischen pinken und weißen Frühlingsknospen spazieren gehen. Ich darf mir träumerisch ausmalen, unter zartrosa Kirschbaumblüten rumzuknutschen…oder ein Baby zu füttern… oder zu heiraten. Wären da nicht diese plötzlich tränenden Augen, die triefende Nase und die juckende Stelle, zwischen Ohr, Hirn und Nase. Wäre da nicht die Niesattacke, die mir auch dieses Jahr einen saftigen Heuschnupfen bestätigt. Ist eben doch ein Fiesling, der Frühling!


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