MIA'S KOLUMNEN

Ich will kein Cowboy als Mann

Kolumne 18 / Neue Luzerner Zeitung, 06.04.2009

„ Hao!“ Miahantas (die mit dem Deutschen lebt), meldet sich zurück zum Stamm. Was soll ich sagen, als die Rauchzeichen mich und meinen Freund (Der mit der Gitarre tanzt) erreichten, haben wir beide die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Die Situation war eh schon angespannt und jetzt das. Die kulturelle Kluft die sich zwischen unseren beiden Ländern auftut, berührt uns persönlich. Unsere beiden Heimatländer sollen sich mögen, so wie wir uns mögen. Eine Krisensitzung musste her. Also ab in’s Tipi Zelt! Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass der deutsche Finanzminister offensichtlich bekennender Karl May-Fan ist, aber muss er uns das auf diese Art und Weise mitteilen? Ich meine, Herr Steinbrück sollte doch Brücken schlagen, statt der Deutsch-Schweizerischen Beziehung, Steine in den Weg zu legen. Nomen est- wieder mal so was von- omen.
Hochrangige Politiker des Koalitionspartners sehen das genauso. Überhaupt sind viele deutsche Bürger bestürzt über das Fettnäpfchen-Wetthüpfen des Finanzministers. Die Äußerungen von Per Steinbrück, wurden in Deutschland weit selbstkritischer aufgenommen, wie es in der Schweiz vielleicht den Anschein hat. Erst gestern habe ich im deutschen Fernsehen, eine Rede von Kanzlerin Merkel im Bezug auf den Indianer-Vergleich gesehen, welche ironischerweise, mit der Filmmusik von „Bonanza“ untermalt wurde. Trotzdem,  die Schweizer Volksseele ist aufgebracht. Wir haben ein  absolut bedächtiges Gemüt, aber wenn die raubeinigen, militanten Deutschen in unser Revier galoppieren, verschieben wir als Strafe schon mal eine milliardenschwere Kampfflugzeug-Bestellung. Denn wir sind friedliebende Menschen und wissen ja wohl selbst, wie wir mit unserem Geld umzugehen haben, so.
Und da wäre dann noch die weite Prärie der Medienlandschaft. Die Schweizer Boulevardpresse funkt immer schön rein in’s Pulverfass. Das fördert nicht nur die Verkaufszahlen, sondern leider auch den Fremdenhass. Eidgenossen ließen sich dazu hinreißen Herrn Steinbrück als Nazi zu beschimpfen. Also haben auch einige Schweizer mit der Diplomatie nicht viel am Cowboyhut...oder an der Feder...je nach dem. Trotzdem ist mein Schweizer Herz immer noch aufgebracht. Was kann man tun? Vielleicht würden ein paar positive Bilder, z.Bsp. vom „Schönen Deutschen“ helfen? (Worauf  mein Freund mit einem breiten Grinsen vor mir posiert). Oder vom „pazifistischen Deutschen“? (Worauf  mein Freund wieder vor mir posiert). Ja gut, der „Blick“ soll eine Bildstrecke mit ihm machen. (Worauf mein Freund fluchtartig das Zelt verlässt).
Eine Entschuldigung würde die Wogen glätten. Ja, aber die Politiker und ihre Eitelkeiten. Da können wir wohl lange drauf warten. Wo die einen Berge vor dem Kopf haben, sind es bei den anderen dichte Wälder. Nun gut, das Porzellan ist zerbrochen, haben wir Mitleid mit dem Elefanten. Scherben bringen wenigstens Glück. An dieser Stelle wollen wir die Friedenspfeife anzünden und den Rassismus in der Pfeife rauchen. Sind wir froh, dass was getan wird, gegen die Steuerhinterziehungs-Pfeifen.


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