Krass, fett, coole Schweiz
Kolumne 2 / Neue Luzerner Zeitung, 19.03.2007Wie viele Deutscheland erträgt ein Schweizer? Dazu, muss ich natürlich auch noch meinen Senf abgeben. Noch nie hat sich ein Deutscher gefragt, ob er noch mehr Schweizer erträgt. Zum Glück. Sonst würde ich mich wohl nicht so gut fühlen, in meiner Zweitheimat. Na ja, wir Schweizer sind in Deutschland auch nicht wirklich das Problem. Wir mischen uns diskret und leise unters Volk. Nur manchmal, verrät uns ein mehr oder wenig leichter Akzent, der sich dann auch noch als charmant erweist. Wir werden geliebt. Zwei Daumen hoch. Wir haben das Niedlichkeits - Prädikat.
Also auch die Deutschen müssen sich in ihrem Land, mit anderen Kulturen auseinander setzen, was sie gar nicht so schlecht meistern. Deutsche Comedians zum Beispiel, parodieren den türkischen Anteil der Gesellschaft, so nach dem Motto: Was sich neckt, das liebt sich. Der Döner erfährt ein neues Hoch und die deutschen Kinder, sprechen so ganz natürlich, mit einem türkischen Akzent. Weil’s halt krass, fett, cool ist. Aber bleiben wir beim schönsten Land der Welt. Wer so eine Schokolade hat, gibt sie halt nicht gerne her. Trotzdem dränge ich sie stolzerweise jedem auf. Und ich trage eine fette Schweizer Uhr, damit auch jeder weiß, wer hier richtig tickt. Okay, die Deutschen spielen guten Fußball, aber wir haben Federer. Das macht uns so schnell keiner nach. Und überhaupt, ich bin auch mit dem etwas negativen Bild der Deutschen aufgewachsen: Sie sind laut, reden viel zu schnell und sie entfalten ihre Peinlichkeit ganz besonders im Urlaub, den sie kulturbanausig, natüüürlich auf dem Ballermann verbringen. Aber liebe Eidgenossen, es gibt auch sehr doofe Schweizer. Wenn wir nicht aufpassen, sind wir neben dem Matterhorn und der Schoggi, bald auch noch für unsere Vorurteile bekannt. Ganz schön Käse. Mann stelle sich nur mal eine Gruppe chinesischer Touristen vor der Luzerner Kapellbrücke vor: “ So wundelschön und fleundliche, neutlale Menschen, abel viel VOLULTEIL! (Das ganze natürlich auf Chinesisch). Das dürfen wir nicht zulassen, liebe Freunde. Das nächste mal, wenn ihr also einem Deutschen begegnet, seid tolerant und aufgeschlossen. Außerdem können wir auch einiges von unseren Nachbarn lernen. Das wäre ein Bild trauter Zweisamkeit: Die Deutschen lehren uns, wie man den Brei mal Brei sein lässt und direkt auf den Punkt kommt, und wir zeigen den Deutschen, wie man das „Ch“ in den Rachen kriegt. Stehen wir drüber, wenn sie unsere Besinnlichkeit irrtümlicherweise mit Lahmarschigkeit verwechseln. Und seien wir auch gnädig gegenüber den permanenten, immer peinlich klingenden Versuch der Deutschen, unseren Dialekt zu sprechen. Sie wollen uns nicht belächeln, sondern uns nur ihre Zuneigung zeigen. Und mein deutscher Freund (einer von den Guten), spricht sogar hervorragend „Schwizerdütsch“. Na ja, sprechen ist vielleicht zu viel versprochen. Aber er singt unsere Sprache fehlerfrei. Also, im Namen des Rütli und der heiligen Kuh, liebe Landesgenossen, akzeptieren wir sie in unserer Mitte.











