MIA'S KOLUMNEN

Gegen den Dalai Lama - aber spucken wie ein Lama

Kolumne 11 / Neue Luzerner Zeitung, 21.03.2008

Citius, Altius, Fortius. Mit dem Motto der olympischen Bewegung, können sich die Chinesen wohl bestens identifizieren. So rasant, wie sich die neue Großmacht durch wirtschaftliche Erfolge und dem Vertrauen  ausländischer Investoren zumindest teilweise aus dem Chaos gezogen hat, ist bemerkenswert.  Zur Belohnung gibt es die fünf Ringe. China ist stolz und will sich vorbildlich präsentieren. Also, wird  die Zahl der Todesurteile kurzerhand  etwas gesenkt, Störenfriede und Querschläger werden willkürlich verhaftet oder in „Umerziehungslager“ verschleppt. Wenn die Regierung den Bürgern jetzt noch das Spucken auf den Strassen abgewöhnt, ist China bereit für den Rest der Welt. Falls den auch alle kommen. Politiker aller Länder, wägen ein Boykott der  Olympischen Eröffnungsfeier ab. Sie machen Druck für eine Veränderung der Menschenrechtssituation, aber gleichzeitig wollen sie es sich mit der Weltmacht China nicht verscherzen. Das IOC zieht sich feige aus der Affäre und hält an der strikten Trennung von Politik und Sport fest. Obwohl das noch nie funktioniert hat. Der ursprüngliche Gedanke der Spiele sollte sogar, sowohl dem sportlichen Vergleich wie auch der Völkerverständigung gelten. Und die Sponsoren, fahren die Taktik: Augen zu und durch. So fühlt sich jeder irgendwie als Opfer. Außer derjenige, der seit 50 Jahren allen Grund dazu hätte.  Das Oberhaupt der Tibeter demonstriert in aller Stärke die Lehren Buddhas: Er steigt auf durch das, was ihn niederreißt und versucht Hindernisse in Wege zu verwandeln. Unermüdlich vermittelt er für sein Volk und macht wie damals Gandhi, der Tugend Geduld, alle Ehre. Er hält an seinem gewaltfreien Widerstand fest und sucht unermüdlich den Dialog. Ein gefährlicher Zeitgenosse! Da hilft es auch nicht dem chinesischen „Happy Buddha“ den dicken Bauch zu reiben und auf Glück zu hoffen. Der historische  Buddha ist nämlich dünn und unbestechlich.
Die Hetzkampagnen der Chinesen gegen den Dalai Lama, sind für viele Westler unverständlich. Er ist für viele ein charismatischer Hoffnungsträger und Überbringer einer modernen, unverbrauchten Religion, die neues Bewusstsein schaffen kann. Für viele Chinesen hingegen ist er der Wolf im Schafspelz, der die Einheit Chinas gefährdet. Aber das sind eigentlich die Worte der KP. Denn es dürfte schwierig sein, sich in China, eine eigene Meinung zu bilden. Mit Zensuren und Verboten, wird der Informations- und Kommunikationsfluss des Volkes unterbunden. Das Wort „Dalai Lama“ kann man in China nicht mal „googlen“. Soviel zu den Idealen des amerikanischen Milliardenkonzerns „Google“, der sich der Politik Chinas anpasst und damit das Verbot der Meinungsfreiheit  unterstützt.
Selbst die Friedensfackel, wenn sie den brennt, schafft es nicht China jetzt noch ins rechte Licht zu rücken. Von der Erleuchtung weit entfernt, bringen Boykotte wohl genauso wenig wie Maulkörbe. Es bleibt zu hoffen, dass  die Sportler die Menschenrechtsverletzungen in China als globales Problem erkennen und Zivilcourage zeigen, auch wenn das Gold dafür in Peking bleibt.


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