Verkehr Verkehrt - oder der tägliche Wahnsinn mit der Viagra
Kolumne 1 / Neue Luzerner Zeitung, 29.01.2007In der faszinierenden Welt der elektronischen Datenübertragungen bin ich zu Hause. Am liebsten kabelfrei, in formvollendetem Natur-Design. Denn wenn schon online, dann gesund mit Stil. Ganz nach dem Motto: An apple a day, keeps the doctor away, schalte ich jeden morgen, als bekennender Macianer, meinen kleinen Apfel an, wünsche ihm einen guten Morgen und streiche mindestens einmal über meinen kleinen Nano i-Pod. Auch für solche Menschen, gibt es in der faszinierenden Welt einen Platz. Nur ein „Googel-Klick“, und ich fühle mich neben den geständigen Objektophilen schon fast langweilig normal. Und das alles, ohne von meiner Couch aufstehen zu müssen, ohne Geld zu bezahlen und Gott behüte, ohne eklig intimen, sozialen Kontakt. Aber jedes Ying hat auch ein Yang. So beginne ich jeden Tag mit dem Löschen unzähliger Viagra-Werbemails und frage mich dabei, ob die Impotenz der Männer was mit der Emanzipation der Frauen, oder eher mir der wachsenden Zahl der Objektophilen zu tun hat? Ein weiteres Yang, ist die hohe Verlustquote. Nicht alles was man sendet, kommt auch an. Ein romantisch, nostalgischer Telefonanruf, wäre oft sicherer. Die Mail, in dem der Abgabetermin, für meine erste Kolumne stand, zum Beispiel, kam verspätet bei mir an. Was zu „Extrem- Brainstorming“ und hysterischem „Googling“ geführt hat. Zwar hat mir meine Panik-Recherche ein paar nette Stunden mit Harald Schmidt -„The Godfather of Kolumnisem“ beschert, aber sind wir ehrlich: Internet ist dem Smalltalk größter Feind. So spart man Zeit, indem man auf überflüssige Fragen verzichtet, wie: „Na, gut in’s neue Jahr gerutscht?“, oder: „ Sind die warmen Temperaturen nicht toll? Zwar schön blöd für die Eisbären, aber ist es nicht toll?“ Nein, man kann direkt zum Kern der eigentlichen Sache kommen. Einige reduzieren sogar die zeitraubenden, nervigen Anstandsfloskeln, wie zum Beispiel die Verabschiedung, auf die Kürzel: M.F.G oder L.G. Ähnlich nervig, ist der emotionale Mailverkehr. Da findet man übereilt abgeschickte e-mails, die für immer und ewig im Mail-Programm des Adressaten archiviert sind und den Schreiber als ineffizienten Online-Verkehrsteilnehmer outen. Deshalb verfolge ich persönlich: “The golden Regel of the emotionalen Mailverkehr“. Erlaubt ist das Verfassen einer Mail, bei hochrotem Kopf und schäumendem Mund. Erlaubt ist es ebenfalls, den besagten Text in Songform zu bringen, um aus einem miesen Gefühl, wenigsten Autorentantiemen raus zu schlagen. Nicht erlaubt, ist das unmittelbare Versenden der e-mail nach dem man sie aus dem Innersten rausgewürgt hat. Es empfiehlt sich, eine Nacht darüber zu schlafen, um allenfalls noch am nächsten Tag, selbstreflektorische Korrekturen vor zu nehmen. Zusätzlich hilft die Frage: Was will ich eigentlich mit dieser Mail bewirken? Am besten man schreibt diese Frage in Großbuchstaben an die Wand, oberhalb des Computers, direkt neben den Satz: Es ist okay, sich in ein Powerbook zu verlieben!











